Heinrich Schenkers Theorie und eine historisch informierte Musiktheorie

Ein Forschungsprojekt-Entwurf

Aus den theoretischen Schriften Heinrich Schenkers und jenen von Felix Salzer1, der beispielsweise in dem Buch “Strukturelles Hören” einen eigenen musiktheoretischen Bereich zwischen Hörschulung, Analyse, Tonsatz/Kontrapunkt und auch Kompositionslehre aufspannt, möchte ich diese zuletzt genannten Bereiche in Beziehung setzen zum didaktischen Ansatz einer, wie ich es nenne: historisch informierten Musiktheorie, wie sie etwa von Diether de la Motte Mitte der 1970er Jahre in “Harmonielehre” vorgeschlagen wurde.

Seither ist dieser didaktische Ansatz zu recht einem eher “systematisch” zu nennenden Unterrichtsstil gewichen. Die Differenzierung von musikalischer Satzlehre und Kontrapunkt in historisch rückführbare Periodenphänomene, und da auch wiederum bei individuellen Künstler-Persönlichkeiten, zeigt, dass “Musik” kein naturwissenschaftliches Phänomen ist und gleichbleibenden “Gesetzen” unterliegt.

Eine derartige Auffassung lag den zahlreichen Musiklehren bis ins 20.Jahrhundert zugrunde, die sich in einer positivistischen Weise an einem bruchlosen Geschichtskontinuum als stetigem Fortschritt orientierten und zugleich auch in verschiedener Weise versuchten, in die Musik universelle “Naturgesetze” einzuschreiben, dabei aber historische Entwicklungen übersehen oder negieren.

Der “relativistische Ansatz” hier, im Gegensatz zu dem eben geschilderten meist esotherischen Versuch, in Musik allgemein und universell gültige Gesetze hinein zu projizieren, ist auch auf einer ganz allgemeinen Ebene die Anerkennung der Relativität von “Kultur”. Im Zuge der Bewusstwerdung eines “Eurozentrismus”, wirkte sich die Infragestellung eines stets und geradezu linear sich weiterentwickelnden Fortschritts auf alle Gebiete aus, die Musiktheorie und Komposition eingeschlossen.

Diese weit ausholende Sichtweise auf die Vorgänge innerhalb der Musiktheorie ist nicht zu weit hergeholt, wenn man an die zahlreichen auch politisch motivierten Polemiken Schenkers2 denkt.

Was also ist es dann, das eine solchen musiktheoretischen Ansatz rechtfertigen würde?

Abgesehen von den Weiterentwicklungen der Schenkerschen Thesen bei Allan Forte u. a., interessiert auf einer “abstrakt” zu nennenden Ebene durchaus auch ein Ansatz, der die stets gleichgebliebenen Aspekte von Musik beleuchtet und theoretisiert: Zum einen ist es das Faktum, dass immer mit konkreten Tönen gearbeitet und musiziert wird, zum Einen, und dass es sich bei der Musik um eine “Zeitkunst” handelt. Diese Entfaltung in der Zeit, während einer Aufführung im Musizier-Akt, zum Anderen, ist ebenfalls für alle Musiken dieser Welt charakteristisch.

“Zeitgestaltung” ist freilich ein sehr allgemeiner Begriff für die Essenz dessen, was musikalische Komposition bedeutet. Und für eine solche künstlerische Tätigkeit gibt es auch keine “Abkürzungen” oder “Vereinfachungen”, ebensowenig gibt es dafür Rezepte.

Anders gesagt ist eine musiktheoretische Didaktik untrennbar mit einer ebenso konkreten Zielsetzung verknüpft, wie die historisch konkrete Verortung der vermittelten Regeln einer bestimmten kompositorischen Aufgabenstellung.

In der bei #Salzer definierten “Prolongation” von Klängen, die sich logischerweise als eine zeitliche Verlängerung der Musik auswirkt, wird, wie es auch anderswo interessanterweise der Fall ist, die Tatsache außer Acht gelassen, dass nicht nur die ältesten überlieferten Beispiele der abendländischen Kunstmusik eigentlich Vokalmusik sind. Es wäre zu beweisen3, dass gerade die Entwicklung des Taktes und Metrums Hand in Hand geht mit der parallelen Übertragung von Vers-Metren und -Rhythmen in ein instrumentales Denken. Damit sei das Konzept einer “Satzlehre” gemeint, die notierte Töne als selbständige Entitäten begreift. Dies wird erst möglich, als die Notation von Musik einen bestimmten Grad an Präzision und Vollständigkeit erreicht hatte, in der das komplexe, uhrwerkartige4, einer polyphonen Musik gefasst werden kann. Diese Voraussetzungen, um mehrstimmige Musik überhaupt denken zu können, müssen nachvollzogen werden, um erst zu einem Systemdenken gelangen zu können. Das heißt, um auf die Frage von musikalischer Zeit und dem Begriff der “Prolongation” zurück zu kommen, handelt es sich nicht, wie noch zur Zeit Salzers in der Mitte des 20. Jahrhundert gängig Praxis, um ein konsistentes System nur einer möglichen Musik – aus der allerdings die damals zeitgenössische Avantgarde geflissentlich herausgenommen, sprich: ignoriert, war – sondern um eine Grundsatzfrage, wie nicht-textgebundene Musik gestaltet werden kann, weil ihr ja der eine Dauer bestimmende Text abgeht. Musik in anderen Kulturen, die nicht textgebunden ist, kann über die Aneinanderreihung rhythmischer Modelle und deren Variationen entstehen, die ist aber nicht im abendländischen Sinn mehrstimmig.

Wir haben hier also in der Tat ein einzigartiges Phänomen vor uns, das einzelne Töne zu Entitäten abstrahiert, mit denen in abstrakter Weise, nämlich ohne den eigentlichen Klang zugleich erzeugen zu müssen, verfahren werden kann.

Auf dieser abstrakten Ebene, die in gewisser Weise von je geschichtlichen Gegebenheiten und Vorgängen abgelöst werden kann, lässt sich durchaus auch theoretisieren. Allerdings ist dieses der stets anwesenden Gefahr jeder derartig von Geschichte und auch häufig von der Praxis abgehobene Theoretisieren ausgesetzt, die leicht zu einer Eigendynamik mit darin eingeschlossenen hermetischen und selbstbezüglichen Postulaten aufwartet, die letztlich nur mehr für sich gesehen von Interesse sein kann, aber weder praktische noch philologische Bedeutung sinnhaft machen.

Jede Musiktheorie ist ein mentaler Balanceakt zwischen einem Zuviel an Systematisierung und einer notwendigen Rückbindung an eine musikalische Praxis in der Interpretation und oder Komposition.


  1. Salzer, Felix: Structural Hearing: Tonal Coherence in Music, (New York: Boni, 1952; reprint New York: Dover, 1962 und 1982) – deutsche Ausgabe Heinrichshofen’s Verlag, Wilhelmshaven, 1977 in 2 Bänden ↩︎
  2. polemiken ↩︎
  3. mittelalter-versmetrum ↩︎
  4. die Erfindung des Metrums aus dem Geist der Erfindung der Pendeluhr und des Ziffernblattes ↩︎

Stimmführung

Eine Mini-Skizze als Ausgangspunkt für Weiteres…

Das Wort verweist auf reale Stimmen, also menschliche Gesangsstimmen, die “geführt” werden sollen. Tatsächlich erwarten sich Sänger Anweisungen dazu, was sie singen sollen. Insbesondere dann, wenn nicht oral tradierte Lieder einstimmig zu singen sind, sondern mehrere Stimmen zusammen singen sollen.

In wieweit es ein “Gesetz der Kunst” ist, dass überhaupt Regeln für die Herstellung von Kunst etabliert werden, ist eine wichtige Frage. Wurde diese Frage geklärt?

Der Ausdruck Stimmführung verweist aber vor allem auf die Wesenheit der Musik als einer Tätigkeit von Menschen für Menschen.

Eine weitere Beobachtung grundsätzlicher Bedeutung ist die immer wieder im Verlauf der Geschichte erfolgte Abstraktion oder Abstrahierung.

Was ist Musiktheorie – Gedanken

2:10 Lesezeit

Musiktheorie ist ein Sammelbegriff. Vielleicht wäre die Auffassung eines Pluraletantum, eines Mehrzahlwortes, in diesem Fall besser, weil alle Theorie-spezifischen Texte zur Musik ein Beitrag sind zu einem sich stets und dynamisch verändernden Phänomen »Musik«.

Das heißt: der Betrachtungsgegenstand, auf den sich diese Theorie-n beziehen, verändert sich kontinuierlich. Also eine Art Fang-mich-wenn-du-kannst Spiel.

Die Aspekte einer Kontinuität darin verleiten dazu, von universellen Gesetzmäßigkeiten oder Urformen und dergleichen auszugehen. Derartige Postulate verbinden all zu leicht die Atmosphäre einer Geheimwissenschaft und eines Esoterischen mit dem Sektiererischen. Doch sowenig diese Postulate als pseudowissenschaftliche Gegebenheiten anzunehmen Ader gar als singuläre Wahrheiten, so wenig richtig wäre es, diese in Bausch und Bogen ganz abzulehnen, allein schon aus dem Grund, weil der Betrachtungsgegenstand – die »Musik« – selbst auch kein kohärentes oder gar naturwissenschaftliches Phänomen ist.

Um einen Gewinn aus der musiktheoretischen Arbeit zu ziehen, ist es notwendig, auf einen relativ kleinen Themenbereich »hinein zu zoomen«. Dieser Bereich ist in erster Linie historisch bestimmt, aber auch aus Vergleichen, sogar in der Weise wie Markus Arnold sagt: Vergleichen, was zu vergleichen noch niemandem ernstlich eingefallen ist1

Die Absicht, zu einer Erkenntnis zu gelangen durch eine theoretische Reflexion, deckt sich bekanntlich nicht immer mit der Absicht, zu einer bestimmten Erkenntnis zu gelangen. Die Aufgabe, mit einer Falsifizierung eine Hypothese zu überprüfen ist nochmal etwas anderes, als gar keine Hypothese zu haben. Die Sammlung von Materialien und Fakten ist freilich eine verdienstvolle Bemühung, wenn dann später daraus Thesen aus aufmerksamen Beobachtungen entstehen.

Die zu beginn gemachte Feststellung, dass die Musiktheorie ein Sammelbegriff für viele Theorien sei, bezieht sich aber nicht nur auf diese angesprochenen individuellen Beiträge zur Musiktheorie als Disziplin. Musik ist ein überaus komplexes Phänomen aus zum Teil heterogenen, zum Teil aber auch aus verschiedenen Kategorien zusammenwirkenden Bereichen, die im faszinierenden »Prozess« des Musizierens zusammenfließen. Eine der bedeutendsten Bereiche dieses Prozesses ist die Notation von Musik. Die »Schaltstelle« für nahezu alles, was wir zumindest im traditionellen Sinn mit Musik in Verbindung bringen. Ein bekanntes Bonmot variierend würde ich sagen: Jede Musik muss notiert werden, und ist sie nicht notierbar, dann muss sie notierbar gemacht werden. — Nicht so sehr, dass ich diese Auffassung für unbedingt ideal halte, aber sie entspricht dem, wie ich den Diskurs um Musik, vor allem im akademischen Bereich, sehe. Dieses Wunderwerk der musikalischen Notation hat nun aber auch seine Kehrseite, weil man sich darin leicht und zu recht uneinig sein wird, was nun die »wirkliche« Musik sei: jene, die in einer bestimmten, singulären Aufführung gespielt wird, oder aber jene, die in der Notation gemeint ist.


  1. 2000, Markus Arnold: ‘Vergleichen, was zu vergleichen noch niemandem ernstlich eingefallen ist’: Die Musik als Modell in L. Wittgensteins Philosophie der Erkenntnis, der Mathematik & der Sprache In: F.Stadler/M.Seiler (Hg): Kunst, Kunsttheorie & Kunstforschung im wissenschaftlichen Diskurs. Wien 2000: 161–184 ↩︎

Transformation durch Sprache

Worte der normalen Sprache umschreiben Phänomene. Wie Gleichnisse, die klangliche Vorgänge be-greifen durch Be-Griffe.

Dieser Vorgang des Sprechens-über ist scheinbar in einer parallelen Zeit verortet, weil während der Betrachtung und Analyse der Musik diese Musik weiter anwesend bleibt.

Ein Vergleich mit der Besprechung einer Malerei bleibt zwar letztlich wie alle diese Vergleiche inkongruent, aber hier ist es eindeutig, dass sich die gleichzeitige Besprechung eines Bildes mit dem Anwesendsein des Kunstwerks, über das gesprochen wird, nicht im Weg stehen. Bei der Musik ist das anders: Immer und überall stossen wir wieder auf ihr “in-der-Zeit-Sein”. Sowohl wie die Musik im Moment sich entwickelt, wie “eine Musik klingt” (weil das Erkennen einer “Musik” einer bestimmten Dauer des Klingend bedarf)

“Musik” ist eigentlich ein Pluraletantum, also ein Mehrzahlwort. Ich interpretiere die Mehrzahl mit Hinweis auf die Mehrzahl an Tönen, die notwendig ist, damit wir von einer Musik sprechen können. Allerdings wissen wir von Stücken, die nur aus einer einzigen Note, einem einzigen Ton komponiert sind, oder gar aus gar keinem. Was ist da los?

Dazu würde ich ein kleines Schema vorschlagen, das einen spiralförmigen Kreislauf abbildet:

Musikpraxis

Theoretische Reflexion
      *Abstraktion*

Musikpraxis

etc.

Der springende Punkt an diesem Schema ist die Abstraktion.

Die sich immer wiederholende Reflexion, also das Nachdenken über eine Musik und die Transformation dieser im Klang stattfindenden “Mitteilungen” in gesprochene Sprache und deren Vokabular birgt einen weiteren Prozess der Veränderung, den der Abstraktion.

Ein Beispiel dafür ist die Funktionstheorie. Die von Hugo Riemann vorgeschlagene Methode einer Notation von Akkordbeziehungen in tonaler Musik mittels Buchstaben und beigefügten Ziffern, reduziert die Komplexität von “Musik” auf einen bestimmten Aspekt. Die “Beziehungen” sind bereits als solche ein abstraktes Konstrukt: ein pyramidales Gebilde, an dessen Spitze eine “Tonika” steht etc.

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        S   D
      Sp  Tp  Dp          

D7

Es ist hier nicht der Ort, möglichen Ähnlichkeiten mit anderen pyramidalen Formen und Modellen nachzugehen, seien es auch solche, die auf die christliche Trinität verweisen. Abzulesen ist hier aber das typische Top-Down-Modell, das wir auch als “Herrschaftsmodell” kennen, anders gesagt ein “präsidiales Modell”. Es könnte möglichereweise in einer philologisch-historischen Forschung nachgewiesen werden, dass eine Gesellschaft, die so wie die europäische politisch als auch religiös von einem solchen pyramidalen Modell geprägt war, solche strukturierenden Modelle aus einer gesellschaftlichen Kulturpraxis auch in die Kunst-Regulierung überträgt.

Der Gedanke einer “Kunst-Regulierung” ist sehr nahe verwandt mit dem uns hier interessierenden Thema der Musiktheorie-Bildung. Ähnlich dem “Henne-Ei” Problem in Bezug auf die Frage, was denn nun zuerst gewesen sein mag, die Akkord-Trias oder eine religiöse oder andere Trias, produziert ein “Etwas” in der Kultur “Regeln”, die eben letztlich genau dieses Modell affirmativ in der Kultur ( qua der Kunst, also durch die Musik) etablieren.

Going Un-American, Un-English

You know what a “default setting” is. It is when everything else fails.

But now is different.

For decades we have been guided – and also misguided – by the US of America. Everybody knows what the American way of life means. You know for yourself.

Now, witnessing this complete melt-down of morals and what seemed to be good and leading in the free world, the implosion of American way of conduct, I feel the need “de-Faulting” from the Americanicity of our to my own way of conduct, my own language. Anyway we need de-fault to the English language when it comes to blow the horn and bring out opinion and discuss.

You ask why I am saying this to you? Why am I telling you? Because: It is not about “nationalisation” or sort-of-conservative national idiocratic identitiy thingy, but about working with something I know better then just “communicate” in parenthesis on an abstract linguistic level, but in my own language. So when I am working to bring words and terms into my language – which happens to be a German language – it means that I can work with it in a better way: intellectually as well as emotionally. I have control over what I feel what I say. I don’t need to sound like an onimous pop-sound or some obsolete Hollywood movie dialgogue line. I don’t abandon my own language.

If you speak languages which had a major impact on the general culture – like German – you have to know what you are about to do: Nationalisms where sources of many evils. You have to have consciousness about this. But we also know, that literally everything lies in language.

In your language. In my language.

That is why I now desintoxicatie in going Un-American and default to my own mothertongue.

Thanks for watching. Thanks for taking care.

 

“A live DIGITAL Performance”. W T F !!

This is from a conversation with Bernhard Glocksin from Berlin, wo was asking about ideas to continue theatrical work in times of Lockdown. I despite online theatre. And here I tell you why. Sorry, at the moment in German only. (Get babelfish or online translation to catch an idea of it. Thanks.)

B.G. wrote

Verstehe
gleichwohl denke ich: für den fall, dass wir nun tatsächlich mehrere Corona Wellen werden erleben müssen und die Theater zu bleiben: dann müssen wir uns was ausdenken, oder?

T.D. antwortet:

Ja.

Aber.
Aber: ganz so einfach geht’s eben nicht, das, was ehedem im Theater gegeben wurde als sogenannte “Geisterspiele” einfach am Bildschirm aufzutischen.
Schaust Du dir alte VHS Bänder mit Familienfilmen an? Ich nicht. Nicht mal Handy-Videos von den Kindern, als sie noch klein waren. Kaum die Fotos in den Foto-Alben. So ähnlich wirken diese Theater-Abziehbildchen am Mini-Schirm auf mich. Körperlos.
Natürlich kann man sich eine Zeit lang mit “Dosenfutter” über Wasser halten. Aber wie lang?
Antwort: So lange, bis man vergessen hat, wie frisch zubereitete Nahrung schmeckt.
(Du folgst meiner kulinarischen Metapher als Vergleich, bin ich mir sicher.)
Für mich ist das Theater online wie “Dosenfutter”.
Hingegen sehe ich zum Beispiel Tik-Tok und Whatsapp Clips als tatsächlich aus dem Medium der digitalen “Devices” (Endgeräte) entstanden. Eine Aufmerksamkeitsspanne von 15 (fünfzehn) Sekunden ist, wovon wir hier reden.
Ich denke, das zentrale “Problem” der allermeisten Versuche, das Theater wegen der Schließungen doch über Wasser zu halten, das heißt also in der Wahrnehmung der Gesellschaft ist das fehlende (oder gegebene) Interesse.
Sei es nun Voyeurismus, Sensationsgier, Lust zu Lachen, dumpfe Unterhaltung oder spannende Post-Truth oder Verschwörungstheorien… das ist der Mainstream, der diese “viralen Unterhaltungen” generiert, die gar nicht oft genug angeklickt und angeschaut werden können.
Ich habe keine Antwort auf diese Frage, wie du siehst, weil Theorie und Praxis gemeinsam geboren werden müssen.
In meinem “Roboter-Tarkovski” Projekt agiert ein Roboter gegenüber zwei fiktiven Spiegelwänden (durch Video realisiert). Der einzige reale menschliche Darsteller ist zwar der Protagonist, aber nur mehr ein Element von mehreren nicht-realmenschlichen. Ich will damit nur sagen, dass es einen Preis zu zahlen gibt für diese Transformation des Theaters. Je nach Idee sind theatrale Darstellungen online möglich, manches mag sich sogar am kleinen Bildschirm des Laptops im Anschluss an das Home-Office sogar manierlich visuell ausnehmen, aber der Preis dafür ist auf jeden Fall der Verlust eines Namenlosen, nicht Nennbaren, sag’ dazu “Aura” oder “Atmosphäre” oder nenn es banalerweise “Präsenzmodus”. Es ist der Verlust des Menschen im Theater. Keine Frage. So zu tun, als ob Theater möglich wäre ohne Theater, nämlich ohne “Öffentlichkeit im Präsenzmodus”  ist ein Unding, es ist dieselbe Behauptung wie im Märchen “Des Kaisers neue Kleider”.
Sieh dir den (unsäglichen) US-amerikanischen Wahlkampf an. Der demokratische Kandidat Biden versucht aus dem Keller seiner Wohnung heraus präsent zu bleiben. Wie macht man sowas? Es ist eine reine “Behauptungs-Strategie”.
Vielleicht muss das On-Line-Theater mehr Behauptungs-Strategien entwickeln.
Irgendwann werden die Theater wieder aufsperren.
Eine zweite Corona-Welle mit Schließungen wie jetzt kann sich kein Mensch mehr vorstellen. Ich habe fast den Verdacht, dass eher bis dahin die Krankenhausbetten aufgestockt werden, als dass nochmal zugesperrt wird. Freilich: In den meisten Ländern wurden und werden kulturelle Veranstaltungen und Theater nicht als “relevant” eingestuft, um offen zu bleiben, sowenig wie die Kirchen. Das halte ich für ein sehr alarmierendes Zeichen. Im ersten Moment wusste niemand, was vor sich geht. Jetzt wissen alle ein wenig mehr. Und schau: Zwischen zig-Tausenden Besuchern eines Fussball-Spiels und einigen -zig in einem Theater, da ist für mich ein Unterschied.
Wir sollten erfinderischer sein, das Theater am Leben zu halten, und weniger rasch aufgeben, was Theater für uns eigentlich bedeutet und es abgeben an ein für den Menschen nicht gemachtes Datenübertragungssystem.
Ich habe im Oktober einen Vortrag an der Musikuni über die Cyberopera gehalten und das Thema beschäftigt mich nach wie vor. Das Konzept des “Fremden Raumes” (Cyber Space) ist zwar faszinierend, aber nur, weil wir es von unserem antropologisch geprägten Erfahrungshorizont aus interpretieren. In Wirklichkeit ist da einfach nichts. Gar nichts. Es ist die Repräsentation einer vormals – etwa bei Karl Popper als “Welt 3” genannten – Vorstellungswelt. Freilich ist die Vorstellung eine sehr sehr große Kraft auch für das Theater unsere Fantasie, und die kann natürlich auch durch ein Filmchen oder Video oder Online-Dings angeregt werden. Klar. ABER: Wir sind eben auch Körper, und unsere Körper brauchen ebenso eine Nahrung, die nicht aus Zuckern, Fetten oder Eiweissen besteht, sondern auch aus Erfüllungen aller unserer Sinne, sie stärken unsere autopoetisches System, das also, was uns eigentlich zu LEBEWESEN macht, mehr also nur die organischen Nahrungsmittel.

tastatur belegung

die finalsierung der belegung kollidiert nun auch mit zwei übergeordneten fragen:

erstens: welcher text editor wird benutzt
zweitens: welches system

derzeit habe ich eine gute schreiberfahrung mit dem program q10, das aber nur für den pc, windows existiert.

im system übergreifend und “professionell” am text zu arbeiten ist das komplexe vim eigentlich ideal, da hier sowohl mac und peripherie, als auch eInk screen und unix tools einheitlich zum einsatz kommen können.

mein lösungs ansatz ist so, dass das eigentliche schreiben mit einer optimierten belegung auf q10 auf einem mini pc mit tipro keyboard erfolgt.

die weitere bearbeitung kann dann auf dem mac vim mit einer großen tastatur mit sondertasten tp128 erfolgen.

dh, eine erstfassung sehr gut am pc q10

ein wenig fürchte ich nämlich die versehentlich gedrückte ESC Taste in vim.

mein konzept einer robusten und psycho hygienisch guten und einfache lösung sieht auf der ersten ebene, den “printables”, keine manipulation und nicht mal navigation vor.
das entspricht in etwa dem konzept des editors k1, bei dem keine korrekturen oder rückschritte möglich sind, um in einem schreibmodus zu bleiben.
allerdings hat jeder seine eigenen arbeitsweisen und daher sind generelle lösungen per se kompromisse, das heißt nicht optimale versionen.

fazit: tastatur sollte den ergonomischen bedürfnissen in erster linie entsprechen und erst dann eventuell den logische funktionen in vim editor.

A Taste of Letting Go

Some folks are looking ahead what life will look like in coming months. Some, like me, are expecting a bizarre “new normal”. I am not looking forward to restart the monstrous machine, roaring desastrous productivity which no single human being was able to stop, until… you know the story.

Now, that everything on this world has come to a stand still, it is not only for a different look onto this planet with clear skies and birds singing in metropoles.
It is not only to decide that some of our habits were stupid and we can do better.

The point I want to make here is to taste what it needs really to change. A taste of letting go without some things for the sake of comfort, things created out of human’s pseudo needs which boil down to our inbuilt lazyness. The price tag for most of these things is simply to high to permit lazyness command our world. The English language knows a couple of expressions like: renouncing, let go of without, relinquish, to do without and alike. Ask the women rather than men how to do this. Men can hardly close their “circle” of potential activity, women can do this much easier, in fact, they are able to to do it for their biological nature, too. And: it is not a moral “sacrifice”, nor a religious one. It is not to make yourself suffer. It is the opposite: To live with more intensity, with more awareness what we human beings can do with our hands and what we are really, as a species on this planet. Think about that!

This is, where our thoughts, first, have to go, and, second, how to live with it. Only then we will be able to not fall back into that madness we were living until just … a month or two ago and dying.

There are enough people to make it happen. At the moment over 4 billion people are sitting somewhere in confinement. This would be somewhere like maybe 60% of the whole population. If everybody of us smarties find some friends, relatives and other people and convince them, we can make it!

Danach

Zur Situation von Theater in der Zukunft mit jemandem mich unterhalten. Es werden wohl weniger Leute in Ansammlungen gehen. Kino, Oper, Theater, Konzert. Wird es die Hälfte sein? Oder ein Drittel? Werden die Quoten in der Freien Szene noch magerer ausfallen, oder wird man die Quoten fallen lassen? Wie wird sich das auf ein “Exzellenz-Denken” auswirken: Werden weniger Künstler mit nur ein wenig mehr gefördert werden? Viele Fragen..

Aber später aber denke ich mir, dass doch nach der spanischen Grippe 1920  es den “Tanz auf dem Vulkan” gab, die “Wilden 20er Jahre”, und die Menschen waren gerade entgegen einer Ängstlichkeit in hygienischer Hinsicht vielleicht sogar von einer Art Weltuntergangs-Trotzigkeit angesteckt und feierten und warfen alle Beschränkungen und Hemmungen über Bord, wie etwa in den, leider zum Großteil verloren gegangenen Szenen aus “METROPOLIS” von Fritz Lang.

Vielleicht gibt es auch hier eine merkwürdige, überraschende Trotzigkeit, entgegen einer schleichenden “Distanzierung” in sozialen Ereignissen?

Theatre’s great common denominator or dominator?

If we don’t want to go back to previous madness after current crisis, we would have to consider arts as well: Where do we want to go?

Well, the hack, what is it all about with those Carmens, Traviatas and friends: isn’t that also a form of pollution, an artistic stock pile of the past we very well could stream through fantastic digital means?

Didn’t I say last November (conference OE Karlsruhe) : “What if, what if, the future of opera was in the internet?”

Hello? Did someone listen? I guess it turned our right. At the beginning there was silence, but then in the end the discussion had abruptly to be stopped as we went out of time. Some were guessing and fathoming the meaning of my question. So, yes, now, for the dramatic and tragic tsunami we live in, where at the end, we are told, lies “tremendous light”, infact the internet has become the great common denominator. Or is it to become a dominator of arts and liberties?

Will everything else be measured and streamlined to fit willfully into the flatness of a once called “cyberspace” which never has led us anywhere than just alienated us from what we expect from performing arts?

I am coming back to my first point: There is a pollution in our cultural atmosphere, and it isn’t likely to cease as does the microparticles and NO2 etc in the air from burning fossil fuels. It’s the heritage of arts for mass tourism and mimicking a today obsolete society of the past. I would say: Go and stream Traviatas, Carmens and friends, and hand over us theatres and means for new works and new friends!