“A live DIGITAL Performance”. W T F !!

This is from a conversation with Bernhard Glocksin from Berlin, wo was asking about ideas to continue theatrical work in times of Lockdown. I despite online theatre. And here I tell you why. Sorry, at the moment in German only. (Get babelfish or online translation to catch an idea of it. Thanks.)

B.G. wrote

Verstehe
gleichwohl denke ich: für den fall, dass wir nun tatsächlich mehrere Corona Wellen werden erleben müssen und die Theater zu bleiben: dann müssen wir uns was ausdenken, oder?

T.D. antwortet:

Ja.

Aber.
Aber: ganz so einfach geht’s eben nicht, das, was ehedem im Theater gegeben wurde als sogenannte “Geisterspiele” einfach am Bildschirm aufzutischen.
Schaust Du dir alte VHS Bänder mit Familienfilmen an? Ich nicht. Nicht mal Handy-Videos von den Kindern, als sie noch klein waren. Kaum die Fotos in den Foto-Alben. So ähnlich wirken diese Theater-Abziehbildchen am Mini-Schirm auf mich. Körperlos.
Natürlich kann man sich eine Zeit lang mit “Dosenfutter” über Wasser halten. Aber wie lang?
Antwort: So lange, bis man vergessen hat, wie frisch zubereitete Nahrung schmeckt.
(Du folgst meiner kulinarischen Metapher als Vergleich, bin ich mir sicher.)
Für mich ist das Theater online wie “Dosenfutter”.
Hingegen sehe ich zum Beispiel Tik-Tok und Whatsapp Clips als tatsächlich aus dem Medium der digitalen “Devices” (Endgeräte) entstanden. Eine Aufmerksamkeitsspanne von 15 (fünfzehn) Sekunden ist, wovon wir hier reden.
Ich denke, das zentrale “Problem” der allermeisten Versuche, das Theater wegen der Schließungen doch über Wasser zu halten, das heißt also in der Wahrnehmung der Gesellschaft ist das fehlende (oder gegebene) Interesse.
Sei es nun Voyeurismus, Sensationsgier, Lust zu Lachen, dumpfe Unterhaltung oder spannende Post-Truth oder Verschwörungstheorien… das ist der Mainstream, der diese “viralen Unterhaltungen” generiert, die gar nicht oft genug angeklickt und angeschaut werden können.
Ich habe keine Antwort auf diese Frage, wie du siehst, weil Theorie und Praxis gemeinsam geboren werden müssen.
In meinem “Roboter-Tarkovski” Projekt agiert ein Roboter gegenüber zwei fiktiven Spiegelwänden (durch Video realisiert). Der einzige reale menschliche Darsteller ist zwar der Protagonist, aber nur mehr ein Element von mehreren nicht-realmenschlichen. Ich will damit nur sagen, dass es einen Preis zu zahlen gibt für diese Transformation des Theaters. Je nach Idee sind theatrale Darstellungen online möglich, manches mag sich sogar am kleinen Bildschirm des Laptops im Anschluss an das Home-Office sogar manierlich visuell ausnehmen, aber der Preis dafür ist auf jeden Fall der Verlust eines Namenlosen, nicht Nennbaren, sag’ dazu “Aura” oder “Atmosphäre” oder nenn es banalerweise “Präsenzmodus”. Es ist der Verlust des Menschen im Theater. Keine Frage. So zu tun, als ob Theater möglich wäre ohne Theater, nämlich ohne “Öffentlichkeit im Präsenzmodus”  ist ein Unding, es ist dieselbe Behauptung wie im Märchen “Des Kaisers neue Kleider”.
Sieh dir den (unsäglichen) US-amerikanischen Wahlkampf an. Der demokratische Kandidat Biden versucht aus dem Keller seiner Wohnung heraus präsent zu bleiben. Wie macht man sowas? Es ist eine reine “Behauptungs-Strategie”.
Vielleicht muss das On-Line-Theater mehr Behauptungs-Strategien entwickeln.
Irgendwann werden die Theater wieder aufsperren.
Eine zweite Corona-Welle mit Schließungen wie jetzt kann sich kein Mensch mehr vorstellen. Ich habe fast den Verdacht, dass eher bis dahin die Krankenhausbetten aufgestockt werden, als dass nochmal zugesperrt wird. Freilich: In den meisten Ländern wurden und werden kulturelle Veranstaltungen und Theater nicht als “relevant” eingestuft, um offen zu bleiben, sowenig wie die Kirchen. Das halte ich für ein sehr alarmierendes Zeichen. Im ersten Moment wusste niemand, was vor sich geht. Jetzt wissen alle ein wenig mehr. Und schau: Zwischen zig-Tausenden Besuchern eines Fussball-Spiels und einigen -zig in einem Theater, da ist für mich ein Unterschied.
Wir sollten erfinderischer sein, das Theater am Leben zu halten, und weniger rasch aufgeben, was Theater für uns eigentlich bedeutet und es abgeben an ein für den Menschen nicht gemachtes Datenübertragungssystem.
Ich habe im Oktober einen Vortrag an der Musikuni über die Cyberopera gehalten und das Thema beschäftigt mich nach wie vor. Das Konzept des “Fremden Raumes” (Cyber Space) ist zwar faszinierend, aber nur, weil wir es von unserem antropologisch geprägten Erfahrungshorizont aus interpretieren. In Wirklichkeit ist da einfach nichts. Gar nichts. Es ist die Repräsentation einer vormals – etwa bei Karl Popper als “Welt 3” genannten – Vorstellungswelt. Freilich ist die Vorstellung eine sehr sehr große Kraft auch für das Theater unsere Fantasie, und die kann natürlich auch durch ein Filmchen oder Video oder Online-Dings angeregt werden. Klar. ABER: Wir sind eben auch Körper, und unsere Körper brauchen ebenso eine Nahrung, die nicht aus Zuckern, Fetten oder Eiweissen besteht, sondern auch aus Erfüllungen aller unserer Sinne, sie stärken unsere autopoetisches System, das also, was uns eigentlich zu LEBEWESEN macht, mehr also nur die organischen Nahrungsmittel.

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